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Bankengruppen

Der Bankensektor in der Schweiz zeichnet sich neben zahlreichen anderen Qualitäten durch seine Vielfalt und Heterogenität aus. Dabei haben sich im Laufe der Jahre sehr unterschiedliche Bankengruppen entwickelt und zum Teil spezialisiert.

Universalbank Schweiz als Modell
Das Schweizer Bankensystem ist auf dem Modell der Universalbank aufgebaut. Das heisst: Alle Banken können alle Bankdienstleistungen anbieten, zum Beispiel:

  • Kredit- bzw. Aktivgeschäft
  • Einlagen- bzw. Passivgeschäft (Sparkonti etc.)
  • Vermögensverwaltung und Anlageberatung
  • Zahlungsverkehr
  • Wertschriftengeschäft (Börsenhandel)
  • Emissionsgeschäft (Ausgabe von Anleihen oder Aktien)
  • Finanzanalyse

Die in der Schweiz tätigen Banken können in die folgenden Bankengruppen eingeteilt werden.

Grossbanken
Die Grossbanken bieten grundsätzlich alle Geschäfte an, insbesondere auch das Investment Banking (Kapitalmarkttransaktionen, Handel mit Wertschriften, Durchführung von Geldmarktgeschäften, Financial Engineering, Wertschriftenleihgeschäft, Durchführung und Beratung bei Firmenzusammenschlüssen und Firmenübernahmen). Ein wesentliches Merkmal der Grossbanken ist ihre starke internationale Ausrichtung und Verflechtung. Zur Gruppe der Grossbanken gehören die Credit Suisse Group und die UBS AG. Beide Grossbanken sind in über 50 Ländern und an allen wichtigen Finanzplätzen der Welt mit Niederlassungen und Tochtergesellschaften vertreten. Diese teilen sich über 50% der gesamten Bilanzsumme aller Banken in der Schweiz.

Kantonalbanken
Als Kantonalbanken gelten Banken mit einer gesetzlichen Grundlage im kantonalen Recht und einer Beteiligung des Kantons von mehr als einem Drittel des Kapitals und der Stimmen. Mit der Revision des Bankengesetzes vom 1. Oktober 1999 wurde die Staatsgarantie als konstitutives Merkmal aufgehoben. Der Kanton Bern wird als erster Kanton diese per Ende 2012 aufheben. Die anderen Kantonalbanken kommen weiterhin in den Genuss einer uneingeschränkten Staatsgarantie, mit Ausnahme der Banque Cantonale Vaudoise und der Banque Cantonale de Genève, die schon vor der Revision des Bankengesetzes über keine bzw. lediglich über eine eingeschränkte Staatsgarantie verfügten.

Die Bilanzsummen der Kantonalbanken variierten per Ende 2010 zwischen CHF 2 Mrd. und über CHF 120 Mrd. Die kleineren Kantonalbanken betreiben schwergewichtig das Spar- und Hypothekargeschäft, wohingegen die grösseren Kantonalbanken eine breite Palette von Dienstleistungen anbieten und typische Universalbanken darstellen. Die Kantonalbanken sind im Verband Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB) zusammengeschlossen.

Privatbankiers
Die 13 Privatbankiers zählen zu den ältesten Banken in der Schweiz und bestehen als Einzelfirmen, Kollektiv- und Kommanditgesellschaften. Der Privatbankier haftet subsidiär unbeschränkt mit seinem Privatvermögen. Das wichtigste Tätigkeitsfeld ist die Vermögensverwaltung vorwiegend für Privatkunden. Empfehlen sich Privatbankiers nicht öffentlich zur Entgegennahme fremder Gelder, können sie auf die gesetzlich verlangten Zuweisungen an den Reservefonds verzichten und sind von der Pflicht zur Veröffentlichung ihrer Jahresrechnung befreit. Sie unterliegen hingegen allen anderen Anforderungen des BankG, insbesondere jenen über das Eigenkapital. Seit 1934 sind die Privatbankiers in der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers (VSPB) zusammengeschlossen.

Regionalbanken und Sparkassen
Die Banken dieser Gruppe konzentrieren sich vorwiegend auf das klassische Zinsengeschäft mit Hypothekar- und Unternehmenskrediten einerseits und Kundengeldern in Spar- und Anlageform andererseits. Diese Banken beschränken ihre Tätigkeit freiwillig auf eine Region. Ihr Vorteil ist Kundennähe, sie kennen die lokalen Verhältnisse und regionalen Wirtschaftskreisläufe.

Ende 2010 gehörten 41 der 75 Regionalbanken und Sparkassen der RBA-Gruppe an. Die RBA-Banken sind selbständige Institute. Sie arbeiten über die RBA-Holding zusammen und verbessern so die Kostenstruktur, fördern die Professionalität und verfügen über ein gemeinsames Sicherheits- und Solidaritätsnetz.

Zur RBA-Gruppe gehören die Valiant Gruppe und die Clientis Gruppe. Die 20 Clientis Banken bilden zusammen mit ihrem gemeinsamen Kompetenz- und Dienstleistungszentrum – der Clientis AG – einen Vertragskonzern und stimmen ihre Aktivitäten ab, namentlich in der gemeinsamen Refinanzierung, der gruppenweiten Verarbeitung, der einheitlichen Markenführung und dem dezentralen Vertrieb.

Die übrigen knapp 30 Regionalbanken, darunter vier der insgesamt fünf grössten Regionalbanken der Schweiz, sind nicht der RBA-Holding angeschlossen. Einzelne von ihnen wurden im Verlaufe der Zeit von Finanzkonzernen übernommen und werden als selbständige Geschäftsbereiche innerhalb des Konzerns geführt.

Raiffeisenbanken
Die Raiffeisenbanken sind als einzige Bankengruppe genossenschaftlich organisiert und in der „Raiffeisen Schweiz“ Genossenschaft zusammengeschlossen. Zur Raiffeisen-Gruppe gehörten Mitte 2011 328 eigenständige, lokal verankerte und genossenschaftlich strukturierte Banken mit einer über 100-jährigen Tradition.

Die Raiffeisenbanken konzentrieren sich vorwiegend auf das klassische Zinsengeschäft mit Hypothekar- und Unternehmenskrediten einerseits und Kundengeldern in Spar- und Anlageform andererseits. Die einzelnen Raiffeisenbanken sind vorwiegend regional tätig, als Gruppe jedoch landesweit zusammengefasst. Raiffeisen Schweiz nimmt die strategische Führungsfunktion der gesamten Raiffeisen-Gruppe wahr und ist gruppenweit für die Risikosteuerung, Liquiditäts- und Eigenmittelhaltung sowie die Refinanzierung verantwortlich. Zusätzlich koordiniert Raiffeisen Schweiz die Aktivitäten der Gruppe, schafft Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit der örtlichen Raiffeisenbanken und berät und unterstützt sie in sämtlichen Belangen. Des Weiteren übernimmt Raiffeisen Schweiz Tresorerie-, Handels- und Transaktionsfunktionen (Zentralbank).

Auslandsbanken
Die rund 120 ausländisch beherrschten Banken sind nach Schweizer Recht konstituierte, selbständige Bankinstitute. Sie sind vorwiegend in der Vermögensverwaltung mit ausländischen Privatkunden sowie im Fondsgeschäft tätig. Zudem sind einige Institute in der Handelsfinanzierung weltweit führend. Vorwiegend in Kapitalmarktgeschäften tätig sind die rund 30 Filialen ausländischer Banken. Sie sind keine rechtlich selbständigen Einheiten, sondern unterstehen in geschäftlicher und rechtlicher Hinsicht dem ausländischen Mutterinstitut. Seit 1972 sind alle ausländisch beherrschten Banken und Filialen ausländischer Banken im Verband der Auslandsbanken in der Schweiz (AFBS) zusammengeschlossen. Der Grossteil der ausländischen Banken in der Schweiz ist europäischer Herkunft.

Übrige Banken
Diese Bankengruppe umfasst unterschiedlichste Institute: Börsen- und Effektenbanken, auf das Vermögensverwaltungsgeschäft spezialisierte Institute sowie Institute für Kleinkredite, Abzahlungsgeschäfte und Konsumfinanzierung. Zur Gruppe der Börsenbanken gehören Banken wie Julius Bär oder die Bank Sarasin. Sie sind als privatrechtliche Aktiengesellschaften organisiert und konzentrieren sich in erster Linie auf die Vermögensverwaltung inländischer und ausländischer Kunden.